Kunst trotz Handicap

Grußwort zur Ausstellung „Kunst trotz(t) Handicap“
Liebe Besucherinnen und Besucher der Ausstellung Kunst trotz(t) Handicap im Herforder Marta-Forum und in der Petri-Kirche, „Kunst,“ so formulierte es Karl Valentin, „kommt von können und nicht von wollen, sonst hieße sie ja nicht Kunst, sondern Wulst.“ Aber dass die Kunst darum absichts- oder gar willenlos sein solle gegenüber den Herausforderungen des Zusammenlebens und der Gesellschaft – das ist damit nicht gesagt.

Im Gegenteil: Kunst kann viel. Festgefügte Meinun- gen hinterfragen zum Beispiel, ebenso erstarrte Perspektiven und allzu selbstverständliche Seh- gewohnheiten. Sie verhilft dazu, neue Standpunkte zu erproben, irritierende Wahrnehmungen auszu- halten und befreiende Blickwinkel zu riskieren – und manchmal zwingt sie sogar dazu.

Die Ausstellung „Kunst trotz(t) Handicap“, die von der Diakonie Deutschland initiiert wurde, belegt dies auf vielfältige Weise. Gern habe ich die Schirm- herrschaft für dieses Projekt übernommen. „Kunst trotz(t) Handicap“ zeugt vom hohen Können und den vielfältigen Begabungen der ausstellenden Künstlerinnen und Künstler.

Wir als Betrachtende ahnen, dass man sich nicht zufrieden geben muss mit gesellschaftlichen Aus- und Abgrenzungen, die sich aus Handicaps eben nicht einfach ergeben, sondern allzu oft „künstlich“ an sie herangetragen und um sie herum konstruiert werden.

Es ist möglich, solche Aus- und Abgrenzung zu überwinden und aufzubrechen, wo sich der Wille dazu mit den unterschiedlichen Begabungen der Menschen verbindet. Kirche und Diakonie, Gemeinde und Glaube sollen und wollen genau hier trotzig und tröstlich präsent sein: an diesen Berührungspunkten des veränderlich Schönen, des irritierend Ungewohnten und des überra- schend Möglichen – wie es dem Leben und Wirken Jesu Christi entspricht.

Herzlich grüßt Sie Ihre Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen
Annette Kurschus