Poetry Slam

Wortkunst und Sprachakrobatik in Petri
Wieder was Neues in der Gemeinde. Diesmal Poetry Slam. Poetry ist Englisch und heißt Gedicht. Slam ist auch Englisch und beschreibt das Geräusch, das entsteht, wenn eine Tür zuschlägt.

Beides zusammen ergibt eine wunderbar unterhaltsame oder auch nachdenklich stimmende Form von gesprochener Literatur, die seit Jahren weltweit immer beliebter wird. In ihr vereinen sich die Kunst Texte zu machen und vorzutragen und der Wettbewerb, den ein Slam Master moderiert. Die Jury entscheidet mit Hilfe des Publikums über gut oder schlecht. Am Ende kann es nur einen Gewinner geben, aber viele, die sich getraut haben und endlich mal das sagen konnten, was sie schon immer mal sagen wollten. Der Slam Master ist nicht der, der die Tür zuschlägt. In Petri heißt er Peter Küstermann, ist fast 65 Jahre alt und selber Literat und Lehrer. Er wird zunächst an drei Terminen die beiden Konfirmandenjahrgänge für den Poetry Slam begeistern.

In einem Workshop sollen die Teilnehmer sich ausprobieren und im besten Fall am 26. September im Rahmen der Ausstellung „Kunst trotz(t) Handicap“ selbst geschriebene Texte performen. Das Wort Performanz benutzt Peter Küstermann gern, steht es doch bei den Sprachwissenschaftlern für „Sprechen“. Das Sprechen will gelernt sein. Die Artikulation, die Wortwahl, die Effekte, aber auch Gestik und Mimik, die zum Inhalt der Texte passen. All dieses werden die Jugendlichen unter Anleitung erfahren und selber machen. Peter Küster- mann arbeitet seit fast dreißig Jahren in der Szene. Er kennt den Begründer des Poetry Slam Marc Kelly Smith, einen Bauarbeiter aus Chicago. Er weiß, wie wichtig es ist, dass man mit Spaß bei der Sache ist. Anders als in der Schule gibt es keine Noten.

Auf die Deutsch-Note kann sich das Ganze trotzdem positiv auswirken , lernen die Konfirmanden doch auf den Punkt zu formulieren. Länger als fünf Minuten darf keine Performanz sein. Die Themen sind frei wählbar. Nach Peter Küstermanns Erfahrung reden junge Slammer gern über Liebe, Beziehungen und Schule. Dabei haben sie oft hohe Ansprüche an die moralische Stimmigkeit ihrer Texte.

Die Blocktage im August und September sind diesem Workshop gewidmet und gipfeln in dem Poetry Slam am 26. September 2015 im Rahmen der Ausstellung „Kunst trotz(t) Handicap“, zu dem sich alle anmelden können. Dabei sein werden auch Poeten mit Handicap und ohne, die schon etwas mehr Bühnenerfahrung haben.

Für die Zukunft wünscht sich der Slam Master regelmäßige Wettbewerbe in der Petri-Kirche. In Minden in der alten Johanniskirche finden vier- mal im Jahr Slams statt. Warum sollte das nicht auch in Herford funktionieren? Wer schon jetzt einen guten Slam sehen will, kann das im Internet unter www.myslam.de oder bei youtube.

Katrin Juhl


Justinian Keiff siegt beim Poetry Slam

Die Kirche war in buntes Licht getaucht. Über hundert Gäste saßen gespannt in den Bank- und Stuhlreihen.

Darunter auch der Bürgermeister Tim Kähler, der an diesem Abend in der Jury saß. 
Dann begann er: der erste Poetry Slam in der Petrikirche. Nach und nach stellten die Jugendlichen (es war ein sogenannter U20-Slam) ihre selbst verfassten Texte zum Thema „Leben mit Behinderung“ vor. Nach der ersten Runde gab es ein Finale und im Finale siegte Justinian Keiff, ein Konfirmand der Petrigemeinde, der an mehreren Workshoptagen das Formulieren und Vortragen der Texte geübt hatte.

Wir gratulieren ganz herzlich vom Presbyterium aus und freuen uns auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr. Der Slam war neben den vielen Themen-Gottesdiensten einer der Höhepunkte innerhalb der Ausstellung „Kunst trotzt Handicap“, die viele Besucher und Gottesdienstteilnehmer in die Petrikirche und auch ins Marta lockte.