Wenn Bilder, Musik und Sprache zu einer Geschichte werden

Wenn Bilder, Musik und Sprache zu einer Geschichte werden

Wie erzählt man die Geschichte eines Künstlers, der vor über 500 Jahren gelebt hat, so, dass sie uns heute noch berührt? Wie lässt man seine Gedanken, seine Zweifel, seine Begeisterung und seinen Glauben lebendig werden?

Für unsere immersive Michelangelo-Show war uns von Anfang an wichtig, dass Bilder, Musik und Sprache nicht einfach nebeneinanderstehen, sondern zu einer gemeinsamen Erzählung verschmelzen. Jede Bewegung im Bild, jeder musikalische Akzent und jedes gesprochene Wort sollten genau aufeinander abgestimmt sein.

Gemeinsam mit unserem Komponisten Leon Frederic Kleemeier haben wir deshalb viele, viele Stunden im Tonstudio verbracht. Wir haben Texte gesprochen, Passagen verändert, Pausen verlängert und immer wieder ausprobiert, wie Sprache und Musik zusammenwirken. Manchmal brauchte es nur ein einziges Wort, eine andere Betonung oder einen Moment der Stille, damit eine Szene plötzlich ihre ganze Wirkung entfalten konnte.

Eine Stimme, die Michelangelos Geschichte lebendig werden lässt

Eine ganz besondere Rolle übernimmt dabei die Sprecherin Lisa Ueberschär. Sie leiht unserer Erzählerin ihre Stimme und führt die Gäste durch Michelangelos Leben und die Entstehung der Sixtinischen Kapelle.

Mit ihrer lebendigen, warmen und facettenreichen Stimme verleiht sie der Geschichte eine ganz eigene Tiefe. Mal erzählt sie voller Begeisterung, mal nachdenklich und leise, dann wieder mit einer Dramatik, die einen unmittelbar in das Geschehen hineinzieht. Ihre Stimme verbindet die gewaltigen Bilder mit den persönlichen Geschichten dahinter.

Michelangelo selbst kommt dagegen nur in kurzen Gedankeneinschüben zu Wort. In diesen Momenten dürfen die Gäste einen Blick in sein Inneres werfen: auf seine Zweifel und Ängste, seinen künstlerischen Anspruch, seine Suche nach Freiheit und seine ganz persönliche Auseinandersetzung mit Gott.

So entsteht eine Erzählung, die nicht nur von einem der größten Künstler der Geschichte berichtet, sondern uns auch den Menschen Michelangelo näherbringt.

Wenn Michelangelos Geschichte zu unserer eigenen wird

Die Entwicklung des Storytellings hat Pfarrer Bodo Ries übernommen. Dabei ging es ihm nicht nur darum, Michelangelos Lebensgeschichte möglichst anschaulich zu erzählen, sondern auch die großen menschlichen und geistlichen Fragen hinter seinen Kunstwerken sichtbar zu machen.

Denn gerade die Momente, in denen Michelangelo an seine Grenzen stößt, scheitert, zweifelt, mit sich und Gott hadert und schließlich doch wieder neu beginnt, haben erstaunlich viel mit der heutigen Gemeinderealität einer Kirchengemeinde in Ostwestfalen-Lippe gemeinsam.

Auch hier gibt es große Visionen und begrenzte Möglichkeiten, Begeisterung und Erschöpfung, mutige Aufbrüche und die Erfahrung, dass nicht alles gelingt. Auch hier stellt sich immer wieder die Frage, wie es weitergeht, wenn vertraute Wege nicht mehr tragen und etwas Neues entstehen muss.

Michelangelos Geschichte erzählt deshalb nicht nur von der Entstehung eines der bedeutendsten Kunstwerke der Menschheit. Sie erzählt auch davon, was Menschen antreibt, was sie zweifeln lässt und woher sie die Kraft nehmen, immer wieder neu anzufangen.

Diese Verbindung zwischen der Geschichte Michelangelos und unseren eigenen Lebenserfahrungen bildet einen wichtigen Teil des Storytellings im LichtRaum Petri.

Eine eigene Erzählfassung für Kinder und ältere Menschen

Als die Aufnahmen für unsere Hauptfassung abgeschlossen waren, ging es für uns noch einmal zurück ins Tonstudio. Denn wir wollten die Geschichte auch für Kinder und ältere Menschen auf eine besondere Weise zugänglich machen.

Dafür haben wir eine weitere Erzählfassung entwickelt, die Michelangelos Geschichte noch einmal anders erzählt: elementarer, anschaulicher und mit mehr Raum, um die Bilder und Gedanken auf sich wirken zu lassen.

Dabei ging es uns nicht einfach darum, den ursprünglichen Text zu kürzen oder schwierige Wörter auszutauschen. Wir wollten eine Erzählweise finden, die einen unmittelbaren Zugang zu Michelangelos Welt eröffnet und die großen Fragen seiner Geschichte verständlich und erlebbar macht.

Denn ganz gleich, ob man sechs oder neunzig Jahre alt ist: Die Sehnsucht nach Freiheit, die Suche nach dem eigenen Weg, das Staunen über die Schöpfung und die Frage nach Gott können Menschen in jedem Lebensalter bewegen.

Und genau darum geht es uns im LichtRaum Petri: Wir möchten Geschichten nicht nur erzählen. Wir möchten sie erlebbar machen.